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Name: Erich Rosser

Heutiger Arbeitsplatz:
Reformierte Kirchen Bern-Jura-Solothurn, Bereich Sozial-Diakonie

Ausbildung/Beruf:
Waldarbeiter, Staatsförster, Sozialarbeiter

Ausbildungsort: Kandersteg

Berufsschule: Gewerbeschule Frutigen

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Berufsbildung

1962 schloss ich meine Lehre als Waldarbeiter ab. Diese Ausbildung ermöglichte mir den Zugang zur zweijährigen Staatsförster-Ausbildung. Waldarbeiter war für mich zu dieser Zeit mein Traumberuf. Ich arbeite gerne im Wald, in der Natur und mich reiz-ten die vielen Funktionen: Forstwesen, Jagd- und Fischereiwesen, Pflanzenaufsicht etc.
Die Erlernung eines (Traum-)Berufes, ist nicht ein Phänomen des Traumes. Im Ge-gensatz zu heute hatte man früher vermehrt den direkten Bezug zu den Berufen. Man konnte eine Metzgerei besuchen, wusste, was ein Bäcker leistete. Dies führte zu einer klareren Vorstellung des zukünftigen Berufsbildes. Heute gibt es verschiedene Richtungen, viele Möglichkeiten, so dass oft der Überblick fehlt – zudem steht der Hinweis „Betreten der Baustelle verboten“.
Bestimmt spielten früher die Eltern eine wichtigere Rolle. Gerade bei landwirtschaft-lich oder gewerblich berufstätigen Eltern entstand bei den Jugendlichen oft der Druck, einen Beruf zu erlernen, der das Weiterführen des elterlichen Betriebes si-cherstellt. Oder es hiess: „Jetzt arbeitest du.“ Frauen erlernten wahrscheinlich selte-ner einen Traumberuf als Männer. Dies hing zu einem grossen Teil auch von den elterlichen oder gesellschaftlichen Bedingungen ab. Ich hatte das Glück, aus dem Elternhaus keinen Druck betreffend Berufswahl zu spüren.

Berufsschule

Im Kanton Bern gab es zu meiner Zeit nur vier Personen, die eine Ausbildung als Waldarbeiter absolvierten. Dies führte dazu, dass ich mit den Malern und Maurern in einer Berufsschulklasse vereint war. Insgesamt waren wir 25 Schüler, davon keine einzige Frau. Ich war nie ein „Schulmensch“, verbrachte die Zeit lieber in der freien Natur. Trotzdem hat es für mich in der Berufsschule „gepasst“.
Die Beziehung zum Lehrer war gut. Sicher gab es auch mal einen „Clinch“, unter an-derem wegen der Noten. Insgesamt aber erlebte ich unseren Gewerbeschullehrer als gut und unterstützend. Ich habe viel gelernt und es wurde gut unterrichtet. Die Mau-rer bildeten in unserer Klasse die Hauptgruppe. Auch die berufsspezifischen Fächer waren nach ihnen ausgerichtet. So lernte ich viel über deren Beruf, was auch für meinen Berufsalltag nützlich war (zum Beispiel eine Holzhütte bauen). Einen eigenen Fachunterricht für mich als Waldarbeiter gab es nicht. Fachspezifische Fragen und Anliegen nahm ich in den Lehrbetrieb mit und erhielt die theoretischen Zugänge durch meinen Lehrmeister.
Die Auseinandersetzung mit der eigenen Identität, ethische sowie spirituelle Fragen fanden keinen Platz in der Schule. Identität für meinen Beruf wurde an der Lehrstelle selber geschaffen.

Unterstützung bei Stellensuche / Schulschwierigkeiten

Auf meine Lehrstelle bin ich durch die Gemeinschaft im kleinen Dorf aufmerksam geworden, in welchem mein Lehrmeister eine wichtige Rolle inne hatte. Dadurch, dass der Staatsförster in seinem Handeln und seiner Position oft präsent war und ich gerne draussen im Wald arbeiten wollte, war mein Berufswunsch definiert. Für mich war es auch nicht schwierig, eine Lehrstelle zu finden, ich schrieb keine Bewerbung. Der Kontakt zum Oberförster bestand, und nachdem er mit mir und meiner Mutter gesprochen hatte, wurde ich als Lehrling angestellt. Viele meiner Kollegen fanden über Kontakte eine Anstellung.
Mein Lehrmeister war ein guter Mensch. Er verfügte über ein grosses Wissen. Mir ist geblieben, wie er immer zu sagen pflegte: „Z’letschte isch nid z’letschte“ oder „immer innovativ sein“. Er plädierte dafür, sich für etwas Zeit zu nehmen. Bei der Ausbildung zum Staatsförster hatte ich wieder das Glück, einen tollen Chef zu haben. In solchen Beziehungen wächst die Identifikation. Mein Lehrmeister brachte als Mensch ein Optimum an Fachlichkeit mit sich, war streng, hatte aber auch immer die nötigen Voraussetzungen geschaffen, damit ich erfolgreich sein konnte in meiner Ausbildung.
In der Gewerbeschule traten sowohl meine Stärken wie auch meine Schwächen zutage. In den allgemeinen Fächern hatte ich eher Mühe (Identifikation mit dem Stoff), der Fachunterricht war wesentlich interessanter. Bei Schwierigkeiten konnte man sich an den Lehrer wenden. Von unserer Klasse hatte niemand einen Stützkurs in Anspruch genommen.

Einfluss Kirche / Familie / andere Institutionen

Ich erhielt bei der Stellensuche insbesondere von meinen Eltern (Berufsfindungsprozess) und meinem späterem Lehrmeister (Lehrstellensuche, Kontakt zum Oberförster) Unterstützung.
Mir war immer bewusst, dass ich meinen Teil zur Erhaltung der Schöpfung beitragen kann. Meine Faszination für die Natur und meine kirchliche Aktivität liessen sich gut verbinden. In diesem Sinne erhielt ich auch Unterstützung von unserem Dorfpfarrer, dem meine innere Überzeugung auffiel.
Ich hatte das Glück, in meiner Ausbildung nie an einen kritischen Punkt zu gelangen. Und bei allfälligen Schwierigkeiten hatte ich die nötige Unterstützung. Ich merkte, dass man vorwärts kommt, wenn man fragt.

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