logo_pp

refbejuso_logob titel

Name: Margrit Sager

Heutiger Arbeitsplatz:
Reformierte Kirchen Bern-Jura-Solothurn, Administration Bereich Theologie

Ausbildung/Beruf:
Kaufmännische Angestellte, eidgenössisch diplomierte Sekretärin

Ausbildungsort: Hasler AG Bern (Ascom)

Berufsschule: KV Bern

meili

Berufsbildung

Ich schloss 1985 meine Ausbildung als gelernte kaufmännische Angestellte ab und absolvierte später eine berufsspezifische Weiterbildung (eidgenössisch diplomierte Sekretärin). Das KV ist insofern mein Traumberuf, als dass ich eine Dienstleistung für andere anbieten und den Kontakt zu den Mitmenschen pflegen kann. Trotzdem sehe ich die kaufmännische Ausbildung eher als Sprungbrett. Der Beruf erlaubt es einem, sich nach einer abgeschlossenen Ausbildung zu spezialisieren. Auf der anderen Sei-te hege ich den Wunsch, später wieder in den Verkaufsbereich zurückzukehren, vermehrt an der „Front“ zu arbeiten.
Früher konnten sicher vermehrt Traumberufe erlernt werden. Grund dafür ist unter anderem die Realität der heutigen Arbeitssituation. Von den Berufseinsteigern wird immer mehr erwartet und gefordert, und es müssen Kompromisse eingegangen werden.

Berufsschule

Ich fühlte mich in meiner Berufsschule wohl. Unsere Klasse bestand aus ungefähr 18 Schülern und Schülerinnen, zwei Drittel davon waren Frauen. Mir fiel damals auf, dass Frauen betreffend ihres Werdegangs nach der Lehre eher unsicher waren. Die meisten arbeiteten nach der Ausbildung in einem Sekretariat und besuchten Weiterbildungen, während die Männer grössere Schritte wagten. Sie spezialisierten sich schneller und hatten fast alle ein klares Bild von ihrer Zukunft: eine Karriere.
Die Beziehung zu den Lehrern war gut, entspannt, aber nicht persönlich. Das lag si-cher am Zeitmangel. Wir wurden an einem Wochentag von einem Hauptlehrer und von vier Fachlehrern unterrichtet. Fakultativ wurde pro Woche eine Abendlektion angeboten, die ich besuchte, um meine Englischkenntnisse zu vertiefen. Die wichtigsten Fächer an unserer Schule waren Sprachen, Büro- und Sekretariats-technik (aufgrund meiner Richtungswahl), kaufmännisches Rechnen sowie Betriebs- und Rechtskunde. In allen Lektionen ging es in erster Linie um die Stoffvermittlung. Platz für praktische Beispiele gab es kaum. Eine konkrete Verknüpfung von Theorie und Praxis bot ein einziges, fakultatives Projekt: In Vierer-Gruppen wurde während eines halben Jahres eine Übungsfirma aufgebaut und zum Abschluss des Projektes wieder verkauft.
Die Berufsschule war für mich eine Lernwerkstatt (reine Stoffvermittlung). Die Auseinandersetzung mit der eigenen Identität, ethische sowie spirituelle Fragen fan-den keinen Platz in der Schule. Ich habe gute Erinnerungen an meine Schulzeit an der Orientierungsschule, wo ich als eigene Persönlichkeit ernst genommen wurde. In der Berufsschule ging es mehr darum, eine Arbeitseinheit zu sein, als Mensch stand ich nicht im Vordergrund. Das war etwa die Grundhaltung. Im Lehrbetrieb wurde ich jedoch stets als junge Persönlichkeit wahrgenommen.

Unterstützung bei Stellensuche / Schulschwierigkeiten

Mir war es immer wichtig, mit Menschen zusammen zu arbeiten. Zudem liegt mir der Umgang mit Sprachen. Ein handwerklicher Beruf wäre für mich nicht in Frage gekommen, da ich mich eher als „Kopfmenschen“ sehe. Für mich war es nicht schwierig, eine Lehrstelle zu finden. Insgesamt schrieb ich zwei Bewerbungen. Durch meinen Stiefvater, der bei der Hasler AG arbeitete, wurde ich auf meine Lehrstelle aufmerksam. Ich legte zusammen mit 30 bis 40 Bewerbern eine Prüfung ab (Multiple Choice, Deutsch- und Französischkenntnisse). Ich bestand und bekam meine Lehr-stelle bei der Hasler AG. All meine Kolleginnen und Kollegen aus der Orientie-rungsschule schlossen die Schule mit einer Perspektive ab (Lehre, Schule).
Schwierigkeiten in der Schule oder mit dem Lernstoff hatte ich keine. Was mir fehlte, waren Praxisbeispiele. Ich hatte Mühe mit der Art der Stoffvermittlung, Fächer wie Betriebskunde waren mir zu trocken.
In meiner Lehrstelle wurde ich stets durch den Personalchef und einen Lehrlingsverantwortlichen betreut. Ich lernte während der Ausbildung mehrere Bereiche des Betriebes kennen, deshalb wechselten meine Bezugspersonen immer wieder. Allesamt hatten sie aber einen klaren Auftrag und ich empfand die Betreuung als gut strukturiert.

Einfluss Kirche / Familie / andere Institutionen

Ich erhielt bei der Stellensuche insbesondere von meinen Eltern Unterstützung. Der Klassenlehrer unterstützte mich ebenfalls sehr. Von der Schule als Institution kam aber nicht viel. Da war man auf sich selber gestellt.
Ich bin ein Mensch, der gerne selber die Initiative ergreift. Ich hätte mir aber eine Beratungsstelle ausserhalb der Schule und des Lehrbetriebes gewünscht, bei der man den „Chropf“ leeren kann: Wie geht es mir? Was für Möglichkeiten bestehen für mich nach der Lehre? Was finde ich an meiner Ausbildung gut, was eher nicht? Eine solche Stelle wäre hilfreich. Die Stelle sollte den Austausch fördern und eine zusätzliche Unterstützung für Lehrlinge darstellen (Mentoring). Das wäre etwas, was die Kirche anbieten könnte, aber auch die Schule oder der Lehrbetrieb selbst. Im Alter von 15 bis 25 Jahren passiert sehr viel. Es ist wichtig für die persönliche Entwicklung, die eigenen Wünsche, Träume und Ideen mit einer Fachperson besprechen zu können.
Heute arbeite ich bei der Kirche, weil ich mir nach der Geburt meiner Tochter explizit einen Arbeitgeber mit sozialem Hintergrund suchte. Die Kirche ist für mich die Institu-tion, welche für Menschen da ist und mir ist der ethische Hintergrund sehr wichtig.

zurück