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Name: Nicole Wegmüller

Ausbildung/Beruf:
Ausbildung zur Kauffrau

Ausbildungsort:
Reformierte Kirchen Bern-Jura-Solothurn

Lehrjahr: 3. Lehrjahr

Berufsschule:
Wirtschafts- und Kaderschule, Bern

wegmueller

Berufsbildung

Kauffrau ist überhaupt nicht mein Traumberuf. Eigentlich wollte ich immer einen kreativen Beruf wie etwa Dekorationsgestalterin erlernen. Das KV ist für mich eine Grundausbildung, vergleichbar mit dem Besuch des Gymnasiums, und könnte als Sprungbrett für die Realisierung meines Traumberufes dienen. Es gibt leider nur wenige Lehrstellen als Dekorationsgestalterin und ich weiss noch nicht, ob ich nach der Ausbildung zur Kauffrau bereit bin, nochmals eine Lehre zu absolvieren. Aber der Wunsch, etwas Kreatives zu machen ist noch nicht aus der Welt...

Berufsschule

Ich fühle mich in meiner Berufsschule weder sehr wohl, noch überaus unwohl. Unsere Klasse besteht aus 9 Frauen und 11 Männern. Zur Klassenlehrerin und zu den übrigen vier bis fünf Lehrern pflege ich eine sehr oberflächliche Beziehung.
Die wichtigsten Fächer an unserer Schule sind dem Thema „Wirtschaft und Gesellschaft“ untergeordnet (u.a. Rechnungswesen, Rechtskunde etc.). Die Schule vermittelt überwiegend theoretische Inhalte. Den Praxisbezug erhalten wir während den drei bis vier Tagen im Lehrbetrieb.
Die Auseinandersetzung mit der eigenen Identität, ethische sowie spirituelle Fragen finden kaum Platz in der Schule. Einzig Gruppenarbeiten bieten Raum für die Erwerbung und Weiterentwicklung unserer Sozialkompetenz. Religiöse Themen und Diskussionen rund um das Thema Glauben stossen auf grossen Widerstand.

Unterstützung bei Stellensuche / Schulschwierigkeiten

Meine Lehrstelle war in der Zeitung ausgeschrieben und meine Mutter hat mich darauf aufmerksam gemacht. Ich denke, dass es früher einfacher war, eine Lehrstelle zu finden. Gute Kontakte und die Berufe der Eltern haben die Stellensuche damals sicher vereinfacht. Ich hatte Glück, denn ich musste mich insgesamt nur zwei Mal bewerben. Bei beiden Lehrstellen war ich in der engeren Auswahl und erhielt dann die Zusage der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn. Zu meiner Lehrmeistern Isabelle Strauss pflege ich eine sehr gute Beziehung. Sie ist sehr hilfsbereit, freundlich, engagiert, obwohl die Betreuung einer Lehrtochter sehr zeitaufwändig ist. Jeden Monat findet ein gemeinsames Gespräch mit dem Ziel des Gedankenaustausches statt.
Die Inhalte an der Berufsschule empfinde ich zum Teil als schwierig. Fragen nehme ich immer zurück in den Lehrbetrieb und erhalte hier entsprechend Unterstützung. In der Schule hat es, aufgrund zeitlicher Ressourcen, kaum Platz für individuelle Fragen, es besteht jedoch das Angebot eines Stützkurses. Jetzt, im 3. Lehrjahr, werde ich diesen als Vorbereitung für die Lehrabschlussprüfung besuchen. Unterstützungs- und Hilfsangebote gibt es heute sehr viele, zum Teil sind sie aber mit Kosten verbunden. Ich besuchte für 700 Franken einen zweitägigen Kurs zur Prüfungsvorbereitung. Der Kurs war diesen Aufwand wert, aber mit einem Lehrlingslohn sind solche Angebote nicht häufig und nicht für jedermann erschwinglich.

Einfluss Kirche / Familie / andere Institutionen

Die Berufsberatung war mir keine grosse Hilfe. Unterstützung fand ich vor allem bei meinen Eltern und bei meiner Tante, die mir bei den Bewerbungsschreiben zur Seite stand. Vom Pfarrer oder der Jugendarbeiterin hatte ich keine Hilfe angefordert. Die Jugendarbeiterin engagiert sich aber intensiv in diesem Bereich und vermittelt Jugendlichen immer wieder diverse Lehrstellen. Wenn es mit meiner Lehrstelle nicht so gut geklappt hätte, wäre ich sicher auch an sie gelangt.

Generell finde ich, dass die Ansprüche gegenüber Lehrlingen stark gestiegen sind. Die Erwartungen an den Einzelnen sind gross, was zu Drucksituationen führen kann. Früher förderte man eher diejenigen, die „das Zeug dazu hatten“.

Ich wünsche mir vermehrt gute Unterstützung durch die Schule. Die Stützkurse sind zwar gefragt, aber nicht unbedingt gut. Oft werden sie einem vom Lehrbetrieb aufgezwungen, weil die schulischen Leistungen zu schlecht sind. Es ist schade, dass die Schule nur auf Gruppen und nicht auf die einzelnen Personen eingehen kann. Klar ist dies ein zeitliches Problem, aber man könnte im 3. Lehrjahr einen halben Tag mehr Schule anbieten und sich dafür die Zeit nehmen, Fragen und Unsicherheiten des Einzelnen zu klären. Ausserdem gibt es viele Fächer an der Berufsschule, die nicht wirklich nötig sind (u.a. Sport). Umso mehr könnte man sich auf die wichtigen berufsbezogenen Fächer konzentrieren.

Der Begriff Mentoring sagt mir nichts und die Schule machte nie auf dieses Angebot aufmerksam. Ich wäre sehr froh um einen Mentor gewesen, im 3. Lehrjahr ist es aber für mich zu spät.

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